Vertical SaaS: wie man die richtige Nische findet
Nicht die größte Branche gewinnt, sondern die, in der ein konkreter Arbeitsschritt heute noch auf Papier läuft. Wie wir Nischen bewerten, bevor wir eine Zeile Code schreiben.
Vertikale Software ist Software für genau eine Branche. Kein Baukasten, den jeder benutzen kann, sondern ein System, das die Begriffe, Abläufe und Pflichten einer bestimmten Zunft bereits kennt. Der Vorteil ist offensichtlich: Wer die Sprache seiner Nutzer spricht, muss weniger erklären, weniger konfigurieren und verkauft schneller. Der Nachteil auch: Der Markt ist von Anfang an gedeckelt.
Genau deshalb ist die Nischenwahl keine Geschmacksfrage. Sie entscheidet über die Umsatzobergrenze, bevor das erste Feature existiert. Wir prüfen jede Idee an fünf Fragen, und wenn zwei davon mit Nein beantwortet werden, bauen wir sie nicht.
Die fünf Prüffragen
- 1Gibt es einen wiederkehrenden Arbeitsschritt, der heute in Excel, WhatsApp oder auf Papier läuft? Nur dann existiert ein Schmerz, der Geld wert ist.
- 2Kommen wir an die ersten zehn Nutzer heran, ohne Werbebudget? Ohne direkten Zugang zur Branche dauert die Lernschleife zu lange.
- 3Wird für dieselbe Aufgabe heute schon Geld ausgegeben – für Steuerberater, Zeitarbeit, Papierdienstleister? Ein bestehendes Budget ist der beste Beweis für Zahlungsbereitschaft.
- 4Gibt es eine gesetzliche Pflicht, die Dokumentation erzwingt? Pflichten machen aus einem Nice-to-have ein Muss.
- 5Sind mindestens ein paar tausend Betriebe erreichbar? Bei 200 potenziellen Kunden trägt kein Abo-Modell.
Marktgröße realistisch abschätzen
Vertikale Märkte lassen sich meist erschreckend genau zählen, weil es amtliche Zahlen gibt: Betriebsstatistiken, Kammerverzeichnisse, Verbandsangaben. Rechnen Sie nicht mit dem theoretischen Gesamtmarkt, sondern mit dem erreichbaren Teil.
| Ebene | Frage | Beispielrechnung |
|---|---|---|
| Gesamtmarkt | Wie viele Betriebe gibt es? | 20.000 Betriebe |
| Erreichbar | Wie viele davon passen zur Größe und Digitalisierung? | 6.000 Betriebe |
| Realistisch | Wie viele gewinnen wir in fünf Jahren? | 3 % = 180 Kunden |
| Umsatz | Wie viel zahlt ein Kunde pro Jahr? | 180 × 1.200 € = 216.000 € ARR |
Diese Rechnung ist unbequem, aber sie ist der Unterschied zwischen einem Produkt und einem Hobby. Wenn am Ende eine Zahl steht, die keine zwei Entwicklerstellen trägt, muss entweder der Preis, die Nische oder der Plan geändert werden.
Wechselkosten sind Ihr Burggraben
In vertikaler Software entsteht Verteidigungsfähigkeit nicht durch Technik, sondern durch Daten und Gewohnheit. Ein Betrieb, der drei Jahre Dokumentation, Personalstammdaten und Auftragshistorie im System hat, wechselt nicht wegen zehn Euro. Deshalb lohnt es sich, früh in Import, Historie und Auswertungen zu investieren – nicht in Oberflächenkosmetik.
Wie wir selbst vorgegangen sind
Unsere eigenen Produkte sind alle nach diesem Muster entstanden: ein Betrieb, den wir kannten, ein Arbeitsschritt, der auf Papier lief, eine Dokumentationspflicht im Hintergrund und ein Umfeld, in dem die ersten Nutzer einen Anruf entfernt waren. Kein Marktforschungsbericht, sondern ein konkreter Dienstag in einem konkreten Betrieb.
Häufige Fragen
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Wir bauen und betreiben Software für Branchen, die von großen Anbietern übersehen werden – und prüfen sie selbst auf Sicherheit. Schildern Sie uns Ihre Ausgangslage.
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